Garantie und Gewährleistung – was Sie als Käufer über Ihre Rechte wissen müssen

Wenn gekaufte Ware mangelhaft ist, sind viele Käufer verunsichert, wie lange ihnen Gewährleistungsrechte zustehen und wie sie diese geltend machen können. Den Unterschied zwischen Gewährleistungsrecht und Garantie erfahren Sie hier.

Gewährleistung und Garantie

Unter Gewährleistung versteht man die kaufrechtliche Pflicht des Verkäufers, für die Sachmängelreiheit einer gekauften Sache einzustehen. Das Gewährleistungsrecht ist gesetzlich im BGB verankert. Die Garantie ist hingegen ein freiwilliger Anspruch, den der Verkäufer oder Hersteller dem Käufer gewähren kann, aber nicht muss. Das Gesetz sieht eine Garantie nur in § 443 BGB vor und macht sie von der Erklärung durch den Verkäufer oder Hersteller oder einschlägiger Werbung abhängig, die bereits vor oder bei Abschluss des Kaufvertrages verfügbar war. Heiβt das für mich als Verbraucher, dass ich mich gegenüber dem Verkäufer entweder auf meine Gewährleistungsrechte oder auf den Garantieanspruch berufen kann? Nein, der Garantieanspruch tritt in diesem Fall neben die gesetzlich vorgesehenen Gewährleistungsansprüche des Käufers gegen den Verkäufer und schlieβt diese nicht aus. Bezüglich der Gewährleistungsverjährung ist zwischen Neuware und gebrauchten Sachen zu unterscheiden. Bei Neuware haben Sie als Verbraucher gemäβ § 438 Abs. 1 Nr. 3, Abs. 2 BGB zwei Jahre ab Übergabe der Sache Zeit, um Ihre Gewährleistungsansprüche geltend zu machen. Gewährleistungsansprüche wegen Gebrauchtwaren dürfen nach § 475 Abs. 2 BGB nicht vor Ablauf eines Jahres verjähren.

Gewährleistungsrecht- Umtausch ausgeschlossen

Was viele Verbraucher nicht wissen ist, dass das Schild an der Kasse, wonach der Umtausch von reduzierter Ware ausgeschlossen ist, nicht zulässig ist, wenn die Sache einen Mangel hat. Gewährleistungsansprüche wie bspw. der Umtausch von reduzierter mangelhafter Ware können demnach nicht ausgeschlossen werden. Bei mangelfreier Ware dagegen ist ein Ausschluss des Umtauschs oder der Rückgabe ohne Problem möglich. Und wer muss beweisen, dass die Sache mangelhaft war? Diese Frage regelt der lange Zeit umstrittene § 476 BGB, den der BGH jüngst europarechtskonform auslegte und damit zugunsten des Verbrauchers entschied (BGH, Az.: VIII ZR 103/15). Hiernach muss der Käufer nur beweisen, dass die Sache irgendeinen Mangel aufweist, der sich innerhalb der ersten sechs Monate nach Übergabe zeigt. Der Mangel muss also bei der Übergabe noch nicht aufgetreten sein. Es wird dann nach § 476 BGB vermutet, dass der nun aufgetretene Mangel seine Ursache im Grundmangel hat, der schon bei der Übergabe vorgelegen habe. Die Verbraucherrechte werden durch diese Enscheidung gestärkt.

Beweislast für Mangel

Bezüglich der Frage des Mangels, der aufgetreten ist, trägt jedoch der Käufer die Beweislast. Insbesondere dafür, dass der Mangel innerhalb der ersten sechs Monate nach Übergabe aufgetreten ist. Nicht beweisen muss er, auf welcher Ursache dieser Mangel beruht. Sie als Verbraucher sollten daher direkt beim Auftreten eines Mangels diesen dem Verkäufer bestenfalls schriftlich anzeigen und ihn zur Behebung des Mangels auffordern innerhalb einer angemessenen Frist. Denn nur mit dem Verkäufer besteht ein rechtliches Verhältnis im Sinne eines Kaufvertrages nach § 433 BGB.

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